Stellungnahme gegen rassistische und sexistische Angriffe von Rechts. Für Chancengleichheit, Diversität und eine respektvolle Debattenkultur in der Wissenschaft.

10.03.2021 -  



Für Chancengleichheit, Diversität und eine respektvolle Debattenkultur in der Wissenschaft.
Stellungnahme
gegen rassistische und sexistische Angriffe von Rechts

 

Als Akteur*innen in Gleichstellung, Wissenschaft, Kinder- und Jugendhilfe und Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt bekunden wir mit dieser Stellungnahme unsere Solidarität gegenüber Prof.in. Dr.in Maisha-Maureen Auma.  Wir verurteilen die rechtspopulistischen und rassistischen Anfeindungen, die insbesondere von den Abgeordneten der AfD-Fraktion Sachsen-Anhalts befeuert wurden.

Wir danken Prof.in Auma für ihre wissenschaftlichen Beiträge in der Intersektionalitätsforschung, den Gender Studies sowie in den Critical Race Studies.

Wir müssen erkennen, dass hinter den Angriffen gegen Prof.in Auma ein System kontinuierlicher Verunglimpfungen steckt, das sowohl auf die bewusste Herabwürdigung und Bedrohung einzelner Personen als auch die Abwertung wissenschaftlicher Erkenntnisse abzielt. Uns ist es daher ein Anliegen, in Anbetracht der aktuellen Ereignisse auf die Kontinuität solcher rechtspopulistischen, diskriminierenden und damit antidemokratischen Angriffe aufmerksam zu machen.

Insbesondere Forschungs- und Fachbereiche sowie Personen, die sich unter dem Dach einer kritischen Geschlechterforschung bewegen, werden immer wieder zur Zielscheibe von Anfeindungen. Diese Entwicklung ist nicht neu. Wir sind daher auch nicht mehr erstaunt, mit welcher Vehemenz rechtspopulistische Strömungen - insbesondere die AfD im Falle der Geschlechterforschung - im Namen einer Wissenschaftsfreiheit eben diese Wissenschaftsfreiheit immer wieder in Frage stellt und nach Einschränkungen durch die Gesetzgeber*innen ruft. Aktuelles Zeugnis dafür ist u.a. der Antrag „Wissenschaft von Ideologie befreien – Förderung der Gender-Forschung beenden“, der AfD-Fraktion im Bundestag. Dieser wurde von allen anderen Bundestagsparteien massiv kritisiert (Nachzuhören in der Diskussion im Bundestag vom 17. Dezember 2020: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2020/kw51-de-gender-forschung-812898)

Flankiert werden diese Bemühungen zur Abschaffung kritischer Forschung von antidemokratischen Angriffen in der Öffentlichkeit, die mit Falschmeldungen und teilweise strafrechtlich relevanten persönlichen Diffamierungen und Bedrohungen arbeiten. Diese Form von Angriffen und Anfeindungen verurteilen wir zutiefst. Sie sollten weder Teil einer wissenschaftlichen noch einer demokratischen Debattenkultur sein.

Die Herstellung von Chancengerechtigkeit ist ein notwendiger Auftrag demokratischer Institutionen und ihrer Gestalter*innen. Diesem Auftrag sind auch Hochschulen verpflichtet, doch trotz vielfacher Bemühungen ist die Wissenschaftslandschaft noch immer von struktureller Diskriminierung geprägt. Gerade in der Corona-Pandemie wird deutlich, wie sehr Bildung und Bildungsgerechtigkeit an Faktoren wie soziale Herkunft, Geschlecht und finanziellen Status gekoppelt ist.

Eine reale und gelebte freiheitliche Wissenschaft(skultur) liegt nach unserem Verständnis vor, wenn die Orte der Wissenschaft, der Lehr- und Lernräume sowie der Forschung gerecht und fair gestaltet werden.  Deswegen fordern wir eine nachhaltige Gleichstellungs- und Diversitätspolitik, Chancengerechtigkeit für alle und die Abschaffung struktureller Ausschlüsse und Benachteiligungen.

Wir danken Prof.in Auma in diesem Zusammenhang für ihre wissenschaftlichen Befunde über strukturellen Sexismus und Rassismus an deutschen Hochschulen, das Offenlegen ihrer Perspektive sowie für ihre klaren Worte und kritischen Analysen. Wir schließen uns den zahlreichen Positionierungen von Institutionen und Personen aus Wissenschaft und Politik an, die inzwischen klar zu den Angriffen Stellung bezogen und ihre Solidarität bekundet haben.

Auch wir solidarisieren uns mit Prof.in Auma, die ein wichtiges Zeichen für eine vielfältige und chancengerechte Zukunft in der Wissenschaft und darüber hinaus gesetzt hat. Wir unterstützen ihre Forderung nach rassismuskritisch fundierten Diversitätsstrategien, um strukturellen Rassismus sichtbar zu machen und zu bekämpfen.


Wir positionieren uns gegen ein politisches Klima des Hasses und der Verachtung und setzen uns weiterhin für eine gerechte Gesellschaft und gelebte Vielfalt ein. Zudem sind wir uns unserer Verantwortung bewusst und kommen unserer Verpflichtung nach, strukturellen Rassismus und Sexismus abzubauen, Diversität in allen Kontexten zu fördern und konsequent und nachhaltig Schutz vor Diskriminierung und Gewalt anzubieten.

 

FEM POWER-Netzwerk

Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschulen & Universitätsklinika Sachsen-Anhalt    

Präventionsstelle Diskriminierung und sexuelle Belästigung

Kompetenzzentrum geschlechtergerechte Kinder- und Jugendhilfe Sachsen-Anhalt e.V.

Politischer Runder Tisch der Frauen Magdeburg

        Lakog Logo    FEM POWER Logo_LSALogo Prävi MLU

      logo_KgKJH     logo_PRT_2020

 

 

Bisherige Stellungnahmen & Reaktionen:

Die Hochschule Magdeburg-Stendal bekundet Solidarität mit ihrer Professorin Maureen Maisha Auma
Gemeinsame Stellungnahme des Akademischen Senats, der Hochschulleitung und des Fachbereiches Angewandte Humanwissenschaften der Hochschule Magdeburg-Stendal sowie der Studierendenräte Konferenz Sachsen-Anhalt (SRK St), Februar 2021

Landesrektorenkonferenz missbilligt Anfeindungen gegen Professorin Maureen Maisha Auma
LRK Sachsen-Anhalt, 26. Februar 2021

We stand with Prof. Auma
Offener Brief von Studierenden und Absolvent:innen der Kindheitswissenschaften (B.A. und M.A.) der Hochschule Magdeburg-Stendal sowie weiterer Hochschulangehörige und Unterstützer:innen, 25. Januar 2021

Offener Brief für Prof. Dr. Auma – für Meinungsfreiheit, gegen Rechte Fake News
Kinderstärken e.V., 5. Februar 2021

Solidarität mit Prof. Dr. Maisha-Maureen Auma!
ISD-Bund e.V., 4. Februar 2021

Stellungnahme zur Diskreditierung rassismuskritischer Forschung und Forscher*innen
Rat für Migration e.V., 3. Februar 2021

Angriff gegen Prof. Maisha Auma weit über Bayreuth hinaus brisant
Migrationsrat, 3. Februar 2021

Offener Solidaritätsbrief an Prof. Auma
Im Namen von Vertreter*innen von GeQuInDi, des MAU-Management Boards, des Iwalewahauses und des Studierendenparlamentes der Universität Bayreuth, 18. Januar 2021

Stellungnahme zu den Angriffen auf unsere Kollegin Prof. Dr. Maureen Maisha Auma
DGfE-Sektion Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft

Solidarität mit Maisha-Maureen Auma & Positionierung gegen Sexismus und Rassismus
Universität der Künste Berlin

Stellungnahme des ZtG zu den rassistischen Angriffen auf Prof. Maisha-Maureen Auma
Humboldt-Universität zu Berlin

Intersektionale Bildungsarbeit – Maisha-Maureen Auma lesen
Forum Antirassismus Medienwissenschaft

 

Interview mit Prof.in Auma zu Intersektionalität und strukturellem Rassismus

Tagesspiegel online, 17.Dezember 2020

 

Im März 2021

Letzte Änderung: 30.03.2021 - Ansprechpartner:

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