Call for Contributions "Solidaritäten" | Deadline 16.8. 2020

30.04.2020 -  

 

Call for Contributions:
10. Landesweiter Tag der Genderforschung Sachsen-Anhalt "SOLIDARITÄTEN"

 

Termin: 26. und 27. November 2020  
Ort: Magdeburg 
Einreichungsfrist:   16. August 2020
Veranstalter*innen Dr.in Dayana Lau und Dr.in Lena Eckert (Projekt gender*bildet, Martin-Luther-
Universität Halle-Wittenberg; Constanze Stutz (TU Dresden);
Annika Sominka (Projekt FEM POWER Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle); Dr. Klemens Ketelhut (Heidelberg School of Education);
Koordinierungsstelle Genderforschung & Chancengleichheit Sachsen-Anhalt

 

"Wer Dialoge sucht, signalisiert die Absicht, eigene Positionen in Frage und damit sich der Realität zu stellen, andere Positionen zu respektieren, selbst zu denken und zu urteilen"
Christina Thürmer-Rohr 2003

 

Die Veranstalter*innen des 10. Landesweiten Tages der Genderforschung haben sich gemeinsam für das spannende und vielfältige Thema „Solidaritäten“ entschieden. Eine kollektive solidarische Praxis verstehen wir in erster Linie als eine, die Differenzen und nicht Gemeinsamkeiten in den Vordergrund rückt. Wir werden von ihrem Appell mit ethischen Verpflichtungen konfrontiert und werden uns unserer unterschiedlichen Verwundbarkeiten bewusst. Solidarische Handlungen beruhen auf den Erkenntnissen, Urteilen und Entscheidungen Einzelner, formieren sich aber über Bündnispolitiken und gegen bestehende Verhältnisse. Daher verwenden wir Solidaritäten im Plural.

Ein gemeinsames und solidarisches Handeln verstehen wir dabei als einen fortlaufenden Prozess, in dem immer wieder neu geprüft werden muss, ob die je eigenen Vorstellungen und Bedürfnisse mit denen der anderen vermittelt werden können.

Die Herausforderungen dieses Vermittlungsprozesses bestehen darin, sowohl der Mehrstimmigkeit der Perspektiven gerecht zu werden als auch Ausschlussmechanismen, die ein spezifisches Verständnis von Subjektivität/Identität enthalten, entgegenzuwirken, ohne dass dabei die gemeinsame Idee universeller Freiheit verloren geht. Kollektiv geteilte Erfahrungen können hier ein wichtiger Bezugspunkt sein, sie sind aber nicht grundlegend notwendig für den Aufbau solidarischer Bündnisse. Auch ein additiver oder kompetitiver Umgang mit Diskriminierungserfahrung scheint der Ausbildung von Solidarität stattdessen gegenläufig zu sein. Form und Inhalt solidarischen Handelns sind also in steter Bewegung. 

Die Geschichte feministischer Theorie und Praxis der Solidarität bildet dabei eine wichtige Folie für die aktuellen Debatten, zeigt sie uns doch, dass das Gelingen gesellschaftlicher Veränderungen auch auf Vermittlungen zwischen Praxis und Theorie beruht und Koalitionen über soziale Grenzen hinweg voraussetzt.

Das Nachdenken über Solidaritäten führt uns zu wichtigen Konfliktfeldern:

  • Wie kann das Verhältnis von Kollektivismus und identitätspolitischem Denken und Handeln verstanden werden?
  • Welchen Stellenwert nehmen identitätspolitische Debatten im Kontext wissenschaftlichen Nachdenkens und Agierens sowie im Kontext eines aktivistischen Handelns ein und wie sind diese beiden Bereiche zueinander positioniert?
  • Wo lassen sich feministische Streitfragen im Lichte aktueller Diskussionen um europäische Solidaritäten verorten?

Besonders utopische Konzepte vermögen es an dieser Stelle eine zentrale Rolle zu spielen, bewegen sie sich doch in den Zwischenräumen von theoretischen und praktischen Denk- und Handlungsfeldern. Sie geben uns die Möglichkeiten, reale Ungleichheitserfahrungen als Startpunkt für solidarische (oder kollektive) Suchbewegungen nach einem gerechteren Entwurf von Gesellschaft zu nutzen. 

Solidarität als programmatisches Ziel gelungener Vermittlungsprozesse zwischen progressiven Bewegungen, kritischer Wissenschaft und realpolitischen Arbeitsfeldern stellt dabei folglich an sich selbst den Anspruch, sowohl im Hier und Jetzt, im Alltag erfahrbar zu sein und dabei gleichzeitig den Horizont für grundlegende gesellschaftliche Veränderungen auszuloten und zu erweitern. Solidaritäten sind damit zugleich Teil utopischer Phantasieleistungen und realer feministischer Streit- und Suchbewegungen.

Eine Frauen- und Geschlechterforschung, die sich in ihrer Arbeit immer noch selbst als Teil feministischer und gesellschaftlicher Praxis versteht, muss dabei die Räume für eine solidarische Diskurs- und Streitkultur offenlassen und unverändert ernst nehmen.

Mögliche Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen:

  • Welche theoretischen Konzeptionen von Solidarität bieten sich für feministische Praxis- und Wissensprojekte an? 
  • Welche diskursiven Verwendungsweisen gibt es? Wie verhalten sich diese zueinander?
  • Welche Grenzen solidarischen Handelns gibt es oder sollte es geben? 
  • Wie lassen sich Solidaritätskonzepte in die Lehre / in solidarische Formen wissenschaftlicher Wissensproduktion / solidarische Kooperationen in der Wissenschaft über Forschungskulturen und disziplinäre Grenzen hinweg übersetzen? Wie lassen sich solidarische Strukturen im Wissenschaftssystem aufbauen?
  • Wie lassen sich solidarische Beziehungen und Kooperationen zwischen Genderforscher*innen und Gleichstellungspraktiker*innen / zwischen den Generationen herstellen?

Für den Landesweiten Tag der Genderforschung suchen wir nach Beiträgen, die diese Fragen adressieren, ergänzen, erweitern, kritisieren und/oder produktiv machen. Um die inhaltliche Bandbreite der unterschiedlichen Zugänge im Rahmen der Tagung sichtbar zu machen, möchten wir am Landesweiten Tag der Genderforschung unterschiedliche Räume eröffnen. Daher freuen wir uns über ganz verschiedene Vorschläge für Beiträge: Vorträge, die eigene Forschungsergebnisse reflektieren, Poster, Projektvorstellungen, Ideen für Gesprächsforen und weitere Formate der Präsentation und des Austauschs sind willkommen.

Wir freuen uns über wissenschaftliche und künstlerisch forschende und gestaltende Beiträge, die sich der Thematik „Solidaritäten“ aus der Perspektive ihrer je eigenen Disziplin und mit Blick auf theoretische Grundlagen und Erkenntnisse der Genderforschung zuwenden.

 

Informationen zur Einreichung:

Wir laden interessierte (Nachwuchs-)Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Gestalter*innen (Bachelor- und Masterabsolvent*innen, Promovend*innen, Postdocs) ein, sich mit ihren Beiträgen an der Tagung zu beteiligen. Wir freuen uns über Vorschläge für Vorträge und andere Präsentationsformate zur Vorstellung von Forschungsthemen und Projekten.

Bitte senden Sie Ihre Vorschläge und Ideen in Form von Abstracts (max. 500 Wörter) per Mail
bis zum 16.08.2020 an: info@kgc-sachsen-anhalt.de

Das Abstract soll neben einem kurzen CV auch vollständige Kontaktdaten (Name, akademische/r Titel (wenn vorhanden), institutionelle Zugehörigkeit, Postadresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse) enthalten. Eine Rückmeldung zu Annahme oder Ablehnung des Beitragsvorschlags erfolgt bis Anfang September 2020.

 

Ausblick auf das Tagungsprogramm:

Neben den ausgewählten Beiträgen und einer Keynote am ersten Tag möchten wir in der Tradition der Nachwuchstagung „Wie forsche ich in meinem Fach mit Geschlechterperspektive?“ am zweiten Tag verschiedene Formate für Nachwuchswissenschaftler*innen anbieten, die mit feministisch, geschlechter- und queertheoretisch informierten Zugängen forschen (möchten). Denkbare Formate sind hier bspw. Workshops, Kolloquien, ein Barcamp, sowie solidarische Peer-Feedback-Runden.

Gern berücksichtigen wir bei der Ausgestaltung des zweiten Tags konkrete Wünsche, Anregungen und Ideen von Nachwuchswissenschaftler*innen.
Wir freuen uns über Vorschläge bis zum 30. Juni 2020 an info@kgc-sachsen-anhalt.de

 

> Call for Contributions "SOLIDARITÄTEN"_10. Landesweiter Tag der Genderforschung Sachsen-Anhalt November 2020

 

Informationen zum Programm folgen dann Anfang Oktober.

 
Wir bemühen uns um einen Zuschuss für Reise- und Unterkunftskosten von Teilnehmenden ohne institutionelle Förderung (noch ohne Gewähr).

 

Letzte Änderung: 30.04.2020 - Ansprechpartner:

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